Personalia

Fünf AcademiaNet-Forscherinnen in den Wissenschaftsrat berufen

Kommissionen erstmals unter rein weiblicher Leitung

8. 2. 2012 | Als eines der wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremien in Deutschland widmet sich der Wissenschaftsrat der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs.
Gegründet wurde der Rat 1957 und ist damit das älteste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Europa. Seine Empfehlungen sollen konkrete Vorschläge für Wissenschaft und Forschung enthalten und an den Bedürfnissen der Gesellschaft ausgerichtet sein. Zwei zentrale Aufgabenfelder der Wissenschaftspolitik stehen bei diesen Empfehlungen und Stellungnahmen im Fokus: erstens die wissenschaftlichen Institute, wie Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, und ihre Struktur, Leistungsfähigkeit, Entwicklung und Finanzierung; zweitens übergreifende Fragen des Wissenschaftssystems, wie Strukturaspekte von Forschung und Lehre sowie Planung, Bewertung und Steuerung einzelner Bereiche und Fachgebiete.

Im Januar 2012 hat der Bundespräsident auf gemeinsamen Vorschlag der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Hochschulrektorenkonferenz, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz folgende neue Mitglieder für drei Jahre in den Wissenschaftsrat berufen:

Dr. Annette Beck-Sickinger
Professorin für Bioorganische Chemie und Biochemie an der Universität Leipzig


"Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das die deutschen Wissenschaftsgremien damit Frau Professor Beck-Sickinger beweisen und sehen diese Berufung als Verdienst für ihren unermüdlichen Einsatz in Forschung und Lehre sowie in der internen wie externen Gremienarbeit", gratulierte hierzu Prof. Dr. Beate A. Schücking, Rektorin der Universität Leipzig.

Annette G. Beck-Sickinger lehrt seit 1999 an der Universität Leipzig, von 2004 bis 2008 war sie Dekanin der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie. Seit 2008 ist sie wieder Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Biochemie.

2004 wurde sie in den Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker und zur DFG-Kollegiatin für das Fachkollegium "Biochemie" gewählt. Seit 2008 leitet sie das Fachkollegium 201 "Grundlagen der Biologie und Medizin" der DFG. Sie ist Mitglied im Kuratorium des Fond der Chemischen Industrie.

1998 wurde sie mit dem Leonidas Zervas Award der European Peptide Society, 1999 mit dem Phönix Wissenschaftspreis, 2008 mit der Sigma-Award Lecture der Royal Chemical Society, Netherlands, und 2009 mit der Goldmedaille des Max-Bergmann Kreises in Anerkennung ihrer Arbeiten zu Peptid-Rezeptor Wechselwirkungen an GPCR ausgezeichnet. 2009 wurde sie als ordentliches Mitglied in die Sächsische Akademie der Wissenschaften, Klasse der Naturwissenschaften, aufgenommen. Seit 2002 ist sie Sprecherin des Sonderforschungsbereichs 610 "Proteinzustände mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz", seit 2009 leitet sie das IGK "Matrix Engineering" des Transregio-SFBs 67 und ist seit 2007 im Steering Commitee der Graduiertenschule der Bundesexzellenzinitiative BuildMoNa.

Zudem ist Prof. Dr. Annette Beck-Sickinger seit 2010 Mitglied des Hochschulrates der Universität Leipzig.

Dr. Irene Dingel
Professorin für Kirchen- und Dogmengeschichte
Direktorin des Instituts für Europäische Geschichte, Abteilung für Abendländische Religionsgeschichte


Die Kirchenhistorikerin Irene Dingel leitet seit 2005 als Direktorin der Abteilung für Abendländische Religionsgeschichte das außeruniversitäre Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG). Nachdem das IEG kürzlich durch die Aufnahme in die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Leibniz zum 01. Januar 2012 in seiner wissenschaftlichen Bedeutung bestätigt wurde, ist die Berufung in den Wissenschaftsrat nun eine hochrangige Auszeichnung für die wissenschaftliche Expertise seiner Institutsdirektorin.

Für Irene Dingel ist die Berufung in den Wissenschaftsrat eine große Ehre und zugleich mit verantwortungsvollen Aufgaben verbunden: "Ich freue mich auf die Arbeit in diesem Gremium."

Ihr Studium der evangelischen Theologie und der Romanistik sowie erste berufliche Stationen führten Irene Dingel nach Heidelberg und Paris. Nach der Promotion und anschließenden Habilitation in Heidelberg übernahm sie 1994 eine Professur in Frankfurt/M. Seit 1998 hat sie die Professur für Kirchen- und Dogmengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät (Fachbereich 01) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne. Neben zahlreichen Mitgliedschaften in renommierten Kommissionen, Beiräten und Kuratorien ist Irene Dingel Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Schwerpunkte ihres Forschungsinteresses und zahlreicher Publikationen liegen auf der Geschichte von Reformation und Konfessionalisierung, außerdem auf der Frühaufklärung in ihrem westeuropäischen Zusammenhang. Sie ist Herausgeberin mehrerer Reihen und Zeitschriften.

Dr. Simone Fulda
Professorin für Experimentelle Tumorfoschung an der Universität Frankfurt a. M.


Prof. Fulda hat sich einen Namen mit ihrer Apoptose-Forschung gemacht. Dies ist das programmierte Zellabsterben, das für die Aufrechterhaltung der Gewebehomöostase notwendig ist. Die Wissenschaftlerin untersucht, warum dieses Selbstmordprogramm in Krebszellen nicht mehr funktioniert. Ziel dieser Untersuchungen ist es, durch medikamentöse Behandlung den Abtötungsprozess der Zellen wieder in Gang zu setzen und damit den Krebs zu bekämpfen. Für ihren Beitrag zu dieser Forschung hat sie zahlreiche nationale und internationale Preise gewonnen. Prof. Fulda, Jahrgang 1968, studierte Medizin in Köln, Boston, San Francisco, Phoenix und Dublin, gefördert durch Stipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. 1995 schloss sie ihr Studium und die Promotion ab, 2001 folgten die Facharztqualifikation sowie die Habilitation. Sie war 2002 bis 2007 Heisenberg-Stipendiatin der DFG, 2007 bis 2010 DFG-Forschungsprofessorin an der Universität Ulm. Seit Mitte 2010 ist Prof. Fulda Direktorin des Instituts für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie in Frankfurt. Außerdem besetzt sie Schlüsselstellen in zahlreichen internationalen Forschungsorganisationen.


Dr. Katharina Kohse-Höinghaus
Professorin für Physikalische Chemie an der Universität Bielefeld


Professorin Dr. Katharina Kohse-Höinghaus ist seit 1994 Universitätsprofessorin für Physikalische Chemie an der Universität Bielefeld. Sie gehört der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina an und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz für ihre Initiative der "teutolab"-Mitmachlabore ausgezeichnet.

Der Rektor der Universität Bielefeld, Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, gratuliert Kohse-Höinghaus: "Über die Berufung von Professorin Kohse-Höinghaus freue ich mich sehr! Ihre Aufnahme in den Wissenschaftsrat ist eine verdiente Auszeichnung für außerordentliche Forschungsleistungen und großes wissenschaftspolitisches Engagement."

Katharina Kohse-Höinghaus, 1951 geboren, studierte an der Ruhr-Universität Bochum Chemie und promovierte dort im Jahr 1978. Nach Aufenthalten beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart, beim Department of Mechanical Engineering der Stanford Universität, USA, sowie im Molecular Physics Laboratory des SRI International (ausgegründetes Forschungs-institut der Stanford Universität) folgte 1992 die Habilitation. Seit 1994 ist sie Professorin für Physikalische Chemie an der Universität Bielefeld, von 2001 bis 2003 war sie dort Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Für ihr Engagement beim Projekt "teutolab" verlieh ihr der damalige Bundespräsident Horst Köhler 2007 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2008 wurde sie in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina berufen.

Kohse-Höinghaus ist Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft und verschiedener weiterer Wissenschaftsorganisationen – 2007 wurde sie als erste Frau zur Präsidentin der traditionsreichen Deutschen Bunsen-Gesellschaft gewählt – sowie Mitglied im Hochschulrat der Universität Bielefeld. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Physikalischen Diagnostik reagierender Systeme. Sie beschäftigt sich insbesondere mit Fragen der Verbrennung.

Dr. Doris Wedlich
Professorin für Zoologie
Leiterin des Zoologischen Instituts, Abteilung für Zell- und Entwicklungsbiologie am Karlsruher Institut für Technologie(KIT)


Die Biologin ist seit Januar als Chief Science Officer am KIT unter anderem für die Helmholtz-Programme BioGrenzflächen und Astroteilchenphysik sowie für das KIT-Zentrum Astroteilchen- und Elementarteilchenphysik (KCETA) verantwortlich. Ferner fallen die Fakultäten Chemie und Biowissenschaften sowie Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik in ihren Zuständigkeitsbereich.
Doris Wedlich studierte Biologie an der Universität Münster und promovierte anschließend im Fachbereich Zoologie. Seit 2001 leitet sie die Abteilung Zell- und Entwicklungsbiologie am Zoologischen Institut des KIT. Die Biologin erforscht zusammen mit ihrem Team grundlegende molekulare Mechanismen der Zellwanderung und Zelldifferenzierung. Derartige Zellverhalten sind in der Entwicklung eines Embryos sowie bei der Krebsentstehung von zentraler Bedeutung.

Für ihre Forschungsergebnisse wurde Wedlich unter anderem mit dem Landesforschungspreis des Landes Baden-Württemberg und dem Hector-Wissenschaftspreis ausgezeichnet.

Weitere neue Mitglieder sind Dr. Steffen Mau, Professor für Politische Soziologie und vergleichende Analyse von Gegenwartsgesellschaften an der Universität Bremen, Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS), und Dr. Jörg Rüpke, Professor für vergleichende Religionswissenschaft, Fellow für Religionswissenschaft am Max-Weber-Kolleg an der Universität Erfurt.

Für den Vorsitz der Wissenschaftlichen Kommission hat der Wissenschaftsrat bis Januar 2013 zwei Professorinnen gewählt:

Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission:
Regina T. Riphahn, Ph.D., Professorin für Statistik und empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg

Stellvertretende Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission:
Antje Boetius, Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (HGF)

Insgesamt sind zehn AcademiaNet-Forscherinnen Mitglieder im Wissenschaftsrat.
  (© AcademiaNet )

Source

  • KIT, Institut für Europäische Geschichte, Universität Leipzig, Universität Bielefeld, Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, Wissenschaftsrat

Testimonials

  1. Read what our members say about AcademiaNet.

No more excuses!

  1. Please download the brochure "No more excuses" and read more about female experts in Europe, and about AcademiaNet.

News

  1. Sustainability is a 'top priority' for chemists

    A group of chemicals known as bi-metallics could help the pharmaceutical industry become more environmentally friendly by cutting the amount of energy used to produce drugs, according to Professor Eva Hevia from the University of Strathclyde, UK, who says that sustainability is a top priority for chemists.

  2. Taking Neuroscience Research from the Laboratory into the Classroom

    Interview with AcademiaNet member Nienke van Atteveldt

  3. AcademiaNet member Antje Boetius receives German Environmental Prize along with Leipzig Waste Water Experts

    Marine biologist Prof. Dr. Antje Boetius and an interdisciplinary team of wastewater experts from Leipzig will each receive half of the 2018 German Environmental Prize award by the German Federal Environmental Foundation (Deutsche Bundesstiftung Umwelt, DBU). German President Frank-Walter Steinmeier will present the award this week on 28 October in Erfurt.

  4. Kick-off Meeting of the AcademiaNet-Club in Vienna

    For the first time, the AcademiaNet Club in Vienna brought together excellent female academics to network

  5. Two AcademiaNet members backed to bring research findings to the market

    In a second round, the European Research Council has awarded top-up funding to fifty ERC grant holders via its Proof of Concept Grants, to explore the commercial or societal potential of their ERC-funded frontier research results. The grants are part of the EU's research and innovation programme, Horizon 2020.