Globale Proteste

March for Science

Der Beginn einer Strömung?

27. 4. 2017 | Letzten Samstag gingen rund um den Globus Menschen auf die Straßen, um für Wissenschaft und Vernunft zu demonstrieren. Auch AcademiaNet Wissenschaftlerinnen nahmen an den Protesten teil.
March For Science Berlin
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(© Bernd Wannenmacher, Lizenz: CC-BY-4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/))


March For Science Berlin | Aufnahme vom Protestzug in Berlin. An der lokalen Demonstration nahmen laut Organisatoren rund 11.000 Menschen teil.

Wissenschaft und Vernunft werden immer öfter ignoriert - degegen müssen wir uns wehren!


Das ist der Tenor vieler Protestierender, die letzten Samstag im Namen der Wissenschaft auf die Straße gingen. Der so genannte "March for Science" wurde von der wachsenden Stimmung gegen wissenschaftliche Daten und Wissenschaftler selbstlosgetreten. Weltweit müssen sich Akademiker mehr und mehr gegen von der Politik auferlegte Maulkörbe und die Kürzungen von Forschungsetats behaupten. Begriffe wie "Fake News" oder "Alternative Fakten" tauchen immer häufiger in Politik und Medien auf. Der March for Science versteht sich als Gegenkraft zu dieser Bewegung und plädiert für mehr Wissenschaftlichkeit und evidenzbasierte Argumentation im öffentlichen Diskurs.


Die Idee zum Protest kam aus den USA und verbreitete sich über die sozialen Medien rasend schnell über den gesamten Globus. Insgesamt fanden am internationalen Tag der Erde (22. April) neben dem Hauptmarsch in Washington DC mehr als 600 Schwestermärsche statt. In 22 deutschen Städten wurde demonstriert, und auch Wien und Genf organisierten eigene Proteste. Damit schlossen sich weltweit hunderttausende Forscher und Wissenschaftsbegeisterte den Märschen an. Mit dabei waren auch zahlreiche AcademiaNet Mitglieder. Unter ihnen AcademiaNet Club Bremen-Oldenburg Mitbegründerin Professor Rita Groß-Hardt – zusammen mit anderen hatte sie die AcademiaNet Mitglieder schon im Vorfeld zur Teilnahme an den Protesten aufgerufen (den Appell der Club-Begründerinnen finden Sie in unserem Newsletter vom 05.04.17). Professor Groß-Hardt nahm am Protestzug in Hamburg teil und beschreibt ihre Erfahrung so: "Ich fand das sehr beeindruckend, wie die vielen Menschen trotz heftiger Aprilschauer auf dem Rathausmarkt und später auf den Straßen ausgeharrt haben, um ein Zeichen für die Wissenschaft und Fakten-basierte Entscheidungen zu setzen". Die Organisatoren schätzen, dass etwa 1.500 Menschen am Hamburger Marsch teilgenommen hatten.


Einige Wissenschaftlerinnen nutzen den Protest, um gleichzeitig ein Zeichen für Frauen in der Wissenschaft zu setzen – ein Beispiel hierfür sind Mitglieder der US-amerikanischen Basisbewegung "500 Women Scientists", die gleiche bei mehreren US-amerikanischen Märschen vertreten waren. AcademiaNet Forscherinnen traten ebenfalls sowohl als Protestierende als auch als Sprecher auf: So hielt die AcademiaNetlerin und ehemalige Wissenschaftsberaterin für Schottland, Professor Dame Anne Glover, etwa eine Rede beim Protest in Edinburgh, bei der sie vor allem auf die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft einging.


Insgesamt waren bei den Märschen sehr viel mehr Menschen auf den Straßen, als von den Organisatoren erwartet wurde, sie werden daher weithin als Erfolg gewertet. Dennoch sind sie nur ein Anfang – dem, so hofft AcademiaNet Club Tübingen Mitbegründerin Professor Marlies Knipper, bald weitere Aktionen folgen werden. Zusammen mit anderen AcademiaNet Mitgliedern nahm sie an dem lokalen Marsch in Tübingen teil, der laut Tagblatt knapp 3.000 Protestierende zählte. Professor Knipper berichtet, dass der wichtigste Grund zu demonstrieren für Sie die Situation Forschender in anderen Ländern gewesen sei: "Wir müssen Solidarität zeigen. Mit den Menschen in Ungarn, in Polen, in den USA und in Frankreich. In diesem Protest ging es darum, ein Zeichen zu setzen." Ihr Eindruck vom Protestzug war sehr positiv, und im Gespräch lobte sie das Engagement der AcademiaNet Wissenschaftlerinnen: "Ich war sehr erfreut, dass so viele jetzt den Bedarf gesehen haben, etwas zu tun."


Professor Knipper und einige andere AcademiaNet Club Begründerinnen planen gemeinsam bereits weitere Aktionen. Sie wollen sich weiter für Frauen in der Wissenschaft einsetzen und auf die angespannte Situation von – besonders weiblichen – Forschern im Ausland aufmerksam machen. Die Gruppe sammelt Ideen für Aktivitäten, und freut sich über Vorschläge und das anhaltende Engagement von AcademiaNet Mitgliedern. Bitte senden Sie diese an Professor Knipper oder Professor Groß-Hardt.


  (© AcademiaNet)

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